Liebe Fußballfreunde und Neuenburger Bürger*innen, jeder kennt das Internetportal „Wikipedia“, in dem u.a. alles Wissenswerte über Land und Leute zu lesen ist. Wenn man die Daten zur Stadt Neuenburg am Rhein aufruft, sind in der Rubrik Persönlichkeiten „Söhne und Töchter der Stadt“ zehn Namen aufgeführt. Wenn es sich bei zwei Namen um Personen mit einem imposanten Fußballhintergrund handelt, kann man erahnen, wie wichtig der Fußballsport für die Menschen in Neuenburg schon immer war und auch heute noch ist. Mit der „Tochter“ der Stadt, Ulrike (Rigger) Schäfer (Jahrgang 1967), traf ich mich am letzten Wochenende zu einem für alle Neuenburger, insbesondere für die Fußball-Kids, sehr interessanten Interview.

Liebe Rigger, bitte erzähle uns, wie du in den 1970iger Jahren als kleines Mädchen zum Fußballsport kamst?

In unserer Familie (die Eltern: Werner und Renate Schäfer, Anm. opf) drehte sich in der Freizeit schon immer alles um den Fußballsport. Mit meinen älteren Brüdern Jürgen und Thomas habe ich fast jeden Tag auf dem „Bolzplatz“ gegenüber dem Bahnhof mit weiteren Neuenburger Jungs Fußball gespielt. Es hat mir sehr viel Spaß gemacht, obwohl ich es als eines der wenigen Mädchen gegen die Jungs nicht leicht hatte. Der Frauenfußball in Deutschland stand am Anfang (der DFB hob erst im Jahr 1970 das offizielle Verbot des Frauenfußballs auf, Anm. opf) und viele Eltern untersagten ihren Töchtern das Fußballspielen. Da hatte ich großes Glück, meine Eltern waren in dieser Sache sehr fortschrittlich. Sie unterstützten jederzeit mein sportliches Hobby und auch die gesamte Verwandtschaft wusste, ein neuer Ball als Geburtstagsgeschenk war mir wichtiger als eine Puppe oder sonstiges Spielzeug. Es dauerte nicht lange, bis ich mir mit meinem Fußballtalent den Respekt der Jungs erspielen konnte.

Ab wann und wo hast du in einem Verein Fußball gespielt?

Da es beim FCN zu der Zeit keinen Mädchen- bzw. Frauenfußball gab, meldete ich mich mit 12/13 Jahren bei den Spfr. Schliengen an, die als einer der wenigen Fußballvereine in der Region mit einer Frauenmannschaft an Ligaspielen teilnahmen. Mit einer Sondergenehmigung durfte ich sofort bei den Frauen mitspielen und traf dabei mit Ramona Szczepaniak (heute Perera) und Karin Fischer (heute Lemke) auf zwei weitere Spielerinnen aus Neuenburg.

Auf welchen Positionen hast du gespielt, was waren deine Stärken?

In den ersten Jahren wurde ich meist im Sturm oder im offensiven Mittelfeld aufgestellt. Mit meiner guten Schusstechnik konnte ich bei Freistößen oder Elfmetern viele Tore erzielen. Auch war ich für meine Kopfballstärke nach Ecken oder Flanken bekannt.

Hast du in einer Auswahlmannschaft gespielt?

Ja, sowohl bei den Mädchen, als später auch bei den Frauen, spielte ich in der Südbadischen und der Oberrheinauswahl. Dabei wurde ich aufgrund meiner körperlichen Fitness und spielerischen Übersicht sehr oft auf der Liberoposition eingesetzt.

Wie ging es dann mit deiner sportlichen Laufbahn weiter?

Nach vielen lehrreichen Jahren in Schliengen wechselte ich in der Saison 1987/88 zum TuS Binzen. Der Binzener Fußballverein war damals in der Region das Aushängeschild im Frauenfußball. Mit Erringung der Meisterschaft spielte ich mit dem TuS Binzen erstmals um die Deutsche Fußballmeisterschaft, an der damals deutschlandweit alle Regionen teilnahmen. Trotz einem frühen Ausscheiden ein toller Erfolg für den TuS Binzen.

Das war noch nicht der Höhepunkt deiner Karriere, wie ging es danach weiter?

Auch im Frauenfußball spricht sich herum, wenn in einer Mannschaft gute Fußballerinnen vorhanden sind. Ich hatte das Glück, dass Vereinsvertreter des TSV Siegen, zu der Zeit der beste deutsche Verein im Frauenfußball, mit mir bei ihrer Talentsuche Kontakt aufnahmen. Zur Saison 1988/89 wechselte ich dann zum TSV Siegen. Beim Hauptsponsor des Vereins, einer Autofirma, konnte ich gleichzeitig eine kaufmännische Ausbildung absolvieren.

Wie oft habt ihr beim TSV Siegen trainiert?

Der Trainingsumfang war für damalige Verhältnisse sehr groß. Vier Trainingseinheiten und dazu ein Spiel am Wochenende, waren für die Spielerinnen, die nebenbei einer Arbeit bzw. einem Studium nachgingen, ein sehr großer Aufwand. Aber es hatte sich gelohnt. Wie der FC Bayern München bei den Männern war der MTV Siegen bei den Frauen der dominierende Verein.

Mit welchen bekannten Spielerinnen hast du zusammengespielt?

Die Mannschaft war gespickt mit deutschen Nationalspielerinnen. Silvia Neid, Sissy Raith und Martina Voss, um nur einige zu nennen. Besonders Silvia Neid hat uns jüngeren Spielerinnen, die aus ganz Deutschland zur Mannschaft stießen und es nicht leicht hatten sich zu behaupten, immer wieder Mut zum Durchhalten zugesprochen. Es war toll, mit solch herausragenden Fußballerinnen in einem Team zu spielen.

Hast du dir einen Stammplatz in der Mannschaft erkämpfen können?

Nach einer nicht leichten ersten Saison mit unregelmäßigen Einsätzen, war ich in der Saison 1989/90 Stammspielerin in der Mannschaft und holte mit ihr die Deutsche Fußballmeisterschaft.

Ulrike (Rigger) Schäfer, Juni 2021 Foto: privat.

Viel mehr geht nicht im Deutschen Fußball. Doch es gab für Rigger ein weiteres, einmaliges Fußballereignis. Welches, lest ihr nächste Woche in Teil 2.

An dieser Stelle möchte ich noch auf ein sehr erfreuliches Ereignis hinweisen. Eine für ihre fast 100-jährige Treue zum FCN sehr wichtige Persönlichkeit hat am 28.05.2021 ihren 95. Geburtstag gefeiert. Liebe Emmy Orth, nachträglich gratuliert Dir die gesamte FCN-Familie zu Deinem Wiegenfeste und wünscht Dir alles, alles Gute und jederzeit beste Gesundheit. Wir konnten zwar nicht zusammen das 100-jährige Jubiläum des FCN feiern, aber bei Deinen 100. Geburtstag holen wir dies alles nach, ganz bestimmt.

Emmy Orth, Tochter von Vereinsgründer Franz Müller, Foto: opf 2020

Dann bis nächste Woche. Es grüßt, Otmar Pfister (opf). Tel. 0160/96852436, Mail: otmarpfister@web.de