Liebe Fußballfreunde, liebe Mitglieder des TV Neuenburg, verehrte Neuenburger Bürger*innen. In der letzten Woche habe ich in meinem Bericht erwähnt, dass im Jahre 1938 innerhalb des FCN eine Turnabteilung gegründet wurde. Viele fragen sich warum, es gab in Neuenburg doch zu der Zeit schon einen großen Turn- und Sportverein (Gründungsjahr 1926). Gerne will ich diese interessante „Neuenburger Vereinsgeschichte“ aus der Sicht des FCN zusammenfassen.

Bereits im Jahr 1937 begannen erste Verhandlungen über einen Zusammenschluss der beiden Neuenburger Sportvereine. Anlass war jedoch nicht die Erweiterung und Verbesserung des sportlichen Angebots für die jeweiligen Vereinsmitglieder. Der Grund lag darin, dass der Turn- und Sportverein (TuS) nicht mehr die laufenden Kosten (Zinsen, Tilgung, Unterhalt) für die vereinseigene Turnhalle im Wuhrlochpark tragen konnte. Nachdem bereits eine erste Turnhalle des TuS durch einen Brand zerstört wurde, betrug die Gesamtbelastung nach dem Hallenneubau insgesamt 7.000 RM (wäre heute ein Vermögen). Es bestand die Gefahr, dass die Turnhalle der Neuenburger Sportbewegung verloren geht und in Privatbesitz übergegangen wäre. In einer gemeinsamen Sitzung am 03.02.1938 im Gasthaus zur Krone, bei der Vertreter beider Vereine, von Behörde und Bürgermeisteramt mit anwesend waren, wurde folgendes niedergeschrieben. Herr Kreisführer Held (Vertreter Behörde) machte mit ernsten Worten die Anwesenden darauf aufmerksam, dass in der Turnhalle kein Schulturnen stattfindet, obwohl von der Behörde zur Stärkung der Jugend darauf besonderen Wert gelegt wird. Die Gemeinde könnte doch für die Schulnutzung eine Unterstützung an den Turnverein zahlen oder die Turnhalle selbst an sich nehmen.

Der Neuenburger Bürgermeister Eduard Linsenboll ergriff daraufhin das Wort und teilte mit, dass der Turn- und Sportverein schon um eine Unterstützung gebeten habe, aus finanziellen Gründen die Gemeinde jedoch ablehnen musste. Interessant ist die Begründung. Herr Linsenboll meinte, Neuenburg liegt hier an der Westgrenze Deutschlands, es geht hier kein Handel und Verkehr mehr und auch sei bewiesen, dass in Neuenburg der schlechteste Boden und Wald ist weit und breit, deshalb auch schlechte Erzeugung vorhanden sei die wenig einbringe. Außerdem, das Schulturnen sei von jeher nur im Sommer an der frischen Luft abgehalten worden. Die Gemeinde kann die Halle nicht übernehmen!

Wie würde wohl die Stadt Neuenburg heutzutage entscheiden? Wenn man sieht, wie viele stadteigene Sporthallen, -anlagen und Fußballplätze in Neuenburg vorhanden sind, braucht man diese Frage allerdings nicht stellen!

Herr Karl Gaulrapp, 1. Vorsitzender des Fußballvereins fragte, ob die Behörde in solchem Falle kein Darlehen an den betroffenen Verein gibt. Die Antwort von Herrn Held, es kann von der Sporthilfe ein Betrag von höchstens 500 RM gegeben werden, vielleicht auch ein Darlehen von 1.000 RM. Der Turn- und Sportverein hat aber von der Behörde wenig Hilfe zu erhoffen, da er Schulden hat beim Verband. Der Fußballclub kann aber etwas unternehmen, da er schuldenfrei ist. Er empfahl den Verantwortlichen des Turn- und Sportvereins, sie sollten sich dem FCN anschließen. Der Vereinsführer des TuS, Herr Leo Grozinger bestätigte, ohne fremde Hilfe kann der Verein die Turnhalle nicht mehr halten.

In einer außerordentlichen Versammlung des FCN am 14.02.1938 wurden die Mitglieder vom Vereinsführer Gaulrapp über die Lage des Turn- und Sportvereins informiert. Er betonte, wir übernehmen die Halle nicht damit wir Schulden haben, sondern damit wir eine Stätte haben, in der wir ein Training durchführen können, was alle Spieler sehr nötig haben. Der Kassierer Herr Alfred Keller sagte dazu, die Belastung von 7.000 RM können wir schon tragen, wir müssen nur zusammenhalten. Nachdem der anwesende TuS-Vorstand Grozinger den Mitgliedern Erklärungen zu Sicherheiten für die Bürgschaften gegeben hatte, stellte Herr Gaulrapp an die FCN-Mitglieder folgende Frage: „Wer dafür ist, dass wir die Turnhalle des Turn- und Sportvereins mit der momentanen Belastung übernehmen, ferner eine Turnabteilung gründen für die übertretenden Mitglieder des TuS, möge sich von seinem Sitze erheben“. Das Ergebnis, die Abstimmung war eindeutig, alle Mitglieder erhoben sich von ihren Sitzen.

Damit war der Turn- und Sportverein, dessen Mitglieder notgedrungen ebenfalls dem Zusammenschluss zustimmten, ein Teil des Fußballclubs Neuenburg! Am 03.07.1938 fand in der Krone eine Mitgliederversammlung statt, in der die erste gemeinsame Vorstandschaft gewählt wurde. Wenn es nicht schriftlich festgehalten worden wäre (siehe Anlage 1), würde man kaum glauben, wie viele „Mitarbeiter“ den „Gesamt“-Vereinsführer Gaulrapp bei seiner Arbeit unterstützten. Ich denke, da war fast jede Neuenburger Familie vertreten.

Wieder einmal hat sich gezeigt, dass sich die Neuenburger Vereine und Bürger*innen, trotz immer wieder auftretenden Reibereien, wo es ging und nötig war gegenseitig geholfen haben. Was mich zudem immer wieder verwundert ist, wie gut gefüllt die Kasse des FCN auch in diesen schwierigen Zeiten war. Fußball hatte halt in Neuenburg schon immer viele Unterstützer!

Eine kleine Anekdote. In der Vorstandsitzung vom 24.11.1938 gab Vorstand Gaulrapp bekannt, dass er den 01.01.1939 für die Weihnachtsfeier vorgesehen hat und im Bahnhofhotel den Saal bestellt hat, da die Krone für die Weihnachtsfeier bei dieser Mitgliederzahl der zusammengeführten Vereine zu klein ist (Anmerkung des Redakteurs: sorry Stefan). Er sagte, dass wir ein kleines Theaterstück aufführen werden. Es ist ein Einakter und heißt, „Die Fußballbraut“ und ist mit fünf Personen zu spielen. Zitat: Man muss an dieser ersten Weihnachtsfeier seit dem Zusammenschluss mit dem Turn- und Sportverein den Mitgliedern etwas bieten. Wie besorgt die Fußballer doch um die neuen Mitglieder waren!

Apropos Mitgliederstand. Am 01.07.1938 zählte man zusammen 185 Mitglieder, davon waren in der Turnabteilung (Turner sen., jun., Turnerinnen Frauenriege, Jungriege, Jugendriege) 39 aktive Mitglieder.

Der zweite Weltkrieg setzte den Plänen des zusammengeschlossenen Vereins ein jähes Ende und nach Kriegsende gingen beide Vereine wieder eigene Wege. Der FCN (heute ca. 500 Mitglieder) und der TV Neuenburg (heute ca. 1.400 Mitglieder in 6 Abteilungen) haben sich zu sehr erfolgreichen Vereinen entwickelt, in denen viele Erwachsene und Jugendliche ihren Lieblingssport betreiben können. Ein sportliches Auf und Ab gehört natürlich immer dazu! Hoffen wir, dass die Corona-Pandemie dem sportlichen Treiben nicht mehr lange im Wege steht.

Zum Schluss noch ein schönes Bild einer FCN-Mannschaft um ca. 1957 auf dem Fußballplatz am Bahndamm.

Dieses Foto hat mir Wolfgang Meisinger zur Verfügung gestellt, vielen Dank dafür. Die Frage ist nun, wer kann mir die Spielernamen (einzelne sind mir bekannt) nennen. Ich freue mich auf viele Anrufe.

Noch ein Hinweis. Bis Sonntag, 28.02., besteht die Möglichkeit am FCN Quiz-Rätsel teilzunehmen. Denkt bitte daran, für jede Teilnahme erhält die Jugendabteilung von einem Sponsor (Erwin Bornemann) eine Spende. Die Auflösung gibt’s dann nächste Woche.

Mit sportlichen Grüßen. Otmar Pfister, Tel. 0160/96852436, Mail: otmarpfister@web.de.

Anlage 1